Wenn ihr ein buch unbedingt lessen wollt aber keine lust habt es euch zu kaufen sagt mir bescheid und ich werde es hier zum lesen reinsetzen was zwar ein paar tage dauern wird aber ihr euch dan entweder Downloadet oder lest.

Jennifer McMahon

Das Mädchen im Wald

Prolog

7.November 2001

21.30 Uhr

 

 

 

 

Als die Kartoffeltrine ermordet wurde, schnitt der Mörder ihr das Herz aus dem Leib. Er vergrub es, aber am nächsten Tag ist sie auferstanden- und zwar genau an der Stelle, wo ihr Herz vergraben lag." Wie um seine Worte zu bekräftigen, stieß Rayn mit einem Stock ins Lagerfeuer, und eine Fontäne von Funken stob in den Nachthimmel auf.

Opal rückt nähr an Rayn heran. Er war fünfzehn und irgendwie süß auf seine Art, Farmersohn durch und durch. Tori behauptet, Rayn sei total in Opal verknalt. Tori war diejenige, die die ganze Sache angeleiert und gesagt hatte, es würde Spaß machen, in den Wald zu gehen und mit den älteren Jungs rumzumachen. Opal war zwölf und hatte noch nie einen Jungen geküsst, aber das würde sie nicht zugeben, nicht einmal gegenüber ihrer besten Freundin.

"Was denn, wie ein Zombie?", fragte Tori. Opal war still- sie hasste die Geschichten von der Kartoffeltrine. Sie hasste sie, weil sie wusste, dass sie wahr waren.

"Genau, sie kehrte von den Toten zurück wie ein Zombie. Das ist wie bei einer Kartoffel: Wenn man sie in Stücke swchneidet und eins davon in der Erde vergräbt- und da reicht schon ein winziges Stückchen Schale, wenn Augen daran sind-, dann wächst eine neue Kartoffelpflanze daraus." Rayn zerbrach den Stock, der wie ein Knochen zersplitterte, und warf ihn ins Feuer.

Opal zitterte. Sie dachte an den Besuch, den sie an diesem Nachmittag erhalten hatte. Aber nein, an so etwas durfte sie nicht denken. Und sie war gescheit genug, den anderen nichts davon zu erzählen. Die würden sie für eine Lügnerin oder eine Verrückte halten- Wenn nicht sogar für beides.

"Und sie geht jetzt in den Wäldern hier um", fügt Sam hinzu."Wisst ihr, woran man merkt, dass sie kommt? Am Geruch. Dieser Geruch nach fauligen Kartoffeln. Den riecht man dreißig Meter weit."

"Ach, komm schon, hör auf mit dem Scheiß!" Tori verdreht die Augen. Sam und sie gingen sozusagen miteinander.

"Also, jetzt aber mal Klartext- du glaubst doch nicht wirklich an die Kartoffeltrine?", fragte Rayn ungläubig.

"Ich glaube, dass sie einmal gelebt hat. Das weiß ich sogar. Meine Mom ist mit ihr zur Schule gegangen. Sie war einfach nur ein armes Kind, das ermordet wurde. Und diese ganze Gespßensterscheiße? Das ist ein.....wie heißt das noch? Ein moderner Mythos."

"Mein Gott, Tori, hast du etwa vergessen, dass Dan und Chris sie letzte Woche gesehen haben, und zwar genau hier?", warf Opal ein. "Und was ist mit Becky Sheridans kleiner Schwester Janey? Sie sagt, die Kartoffeltrine ist ihr auf dem ehemaligen Griswold-Feld begegnet und hat sie in den Kartoffelkeller gesperrt."

Und was würdest du erst zu meiner Geschichte sagen, dachte Opal.

"Mensch, seid doch nicht kindisch. Dan und Chris waren wie üblich bekifft. Und Janey hat Unsinn angestellt und ist dabei in die Klemme geraten." Tori hob die Hände. Was soll das Theater, sagte ihr eGeste.

"Klar", erwidert Opla. "Die Tür war von außen veriegelt, Schlaumeier. Wie soll sie das wohl hingekriegt haben?"

"Ich sage ja nur, dass es für manche Dinge eben keine Erklärung gibt.", gab Opal zurück.

Opal wusste, dass Tori ihr noch immer böse war. Wegen der Jacke. Tori hatte heute Nachmittag vor dem Treffen mit den Jungs herausgefunden, dass Opal sich ihre Wndjacke ausgeliehen hatte- ohne vorher zu fragen. Das war allein schon schlimm genug, aber blöderweise hatte Opal die Jacke obendrein getragen, als sie ihre Fahrradkette montierte, uns jetzt war Tori wütend wegen der schwarzen Schmiere auf dem linken Ärmel. Opal hatte ihr versprechen müssen, die Jacke in die Reinigung zu bringen und dafür zu zahlen. Und bis das gute STück zurück war, musste Opal Tori ihre eigene Jacke leihen. Nur gehörte aber Opal diese Jacke genau genommen gar nicht. Es war die älteste Jacke ihrer Mutter, die Lieblingsjacke, und Opal hatte sie schon so oft ausgeliehen, ohne zu fragen, dass ihr das inzwischen ganz streng verboten war. Es war eine rehbraune Wildlederjacke mit Fransen vorn und an den Ärmeln. Sie sah aus, als gehöre sie einem Country- oder Rockstar, und stand, wie Opal zugeben musste, Tori, die ein bisschen älter war und schon weibliche Rundungen hatte, eindeutig besser.

Die beiden Mädchen hatten den gleichen Haarschnitt (von Shirly im Frieursalon Hair Today am Stadtrand) und waren beide blond, aber da hört die Ähnlichkeit auch schon auf. Opal wusste, dass Tori die hübschere war, diejenige, nach der sich die Jungs umschauten. Aber das war ihr, ehrlich gesagt, meistens vollkommen schnuppe. Opal hatte andere Sorgen.

Sie wusste, dass ihre Gewohnheiten, sich Sachen auszuleihen, andere Leute nervte und sie selbst vermutlich irgenwann einmal in Bredouille bringen würde, konnte es aber einfach nicht lassen. Oft passiert es ihr ganz ungewollt. Wie kürzlich, als sie Toris Winderjacke angezogen hatte- das hatte sie überhaupt erst gemerkt, als sie schon fast zu Hause angekommen war. Manche Leute rauchten. Manche kauten Fingernägel. Opal lieh sich Sachen aus. Stehlen konnte man das eigentlich nicht nennen. Sie nahm ja nur die Sachen von Leuten, die sie kannte und mochte und dennen sie sich nahe fühlte. Und sie gab sich wirklich Mühe, alles unbeschädigt zurückzugeben, bevor überhaupt auffiel, dass etwas fehlte. Irgendwie versetzte ihr das Ausborgen einen Kick. Wenn sie so ein Leihstück bei sich trug, kam es ihr so vor, als wäre sie plötzlich mehr als nur ein zwölfjähriges Mädchen. Diese Sachen waren wie Amulette, Talismane, die etwas von der Seele ihrer eigentlichen Besitzerin in sich aufgenommen hatte.

 

                                                          ***

 


Die Nacht war kalt. Die vier Jugendlichen saßen dicht beim Feuer, und die Jungs gaben noch mehr Kartoffeltrinen- Geschichten zum Besten. Tori schwieg meistens, rauchte die Camel Lights, die sie von ihrem Dad stibitzt hatte, wobei sie sich gelegentlich das Haar zurückstrich; bei den abwegigsten Storys schnaubte sie verächtlich und schüttelte den Kopf.

Es gab mehr als genug Geschichten, da musste sie nicht auch noch ihren Senf dazugeben. Jedes Kind in New Canaan hatte sein ganzes Leben lang immer wieder gehört, dass die Kartoffeltrine im Wald, wo sie ermordet worden war, herumspukte, auf der Suche nach ihrem Mörder, und dass sie sich dabei an jedem rächte, der ihr über den Weg lief.

"Icfh wette, sie geht deswegen um, weil ihr Mörder immer noch unter uns ist. Sie kennt ihn und findet keine Ruhe, bis er tot ist.", meinte Rayan.

"Aber sie ist nicht nur auf ihn böse... sondern auf die ganze Scheißstadt. Sie hat die ganze Stadt verflucht", bermerkt Sam.

"Fluch hin oder her, ich muss mal pinkeln. Ich bin gleich wieder da." Tori stand auf und zog die Wildlederjacke enger um ihren Körper.

"Nimm die Taschenlampe mit", sagte Sam.

"Der Mond scheint. Ich finde mich schon zurecht", erwidert Tori und trat aus dem Feuerschein ins Dunkle.

"Pass auf! Ich riche faulige Kartoffeln", rief Sam ihr nach.

"Arschloch!", schrie sie zurück.

Sie lauscht auf ihre Schrite, auf das Rascheln von Laub und morschen Zweigen, das sich immer weiter entfernte und dann ganz verstummte. Einmal hört sie Tori leise fluchen- wahrscheinlich hatte sie sich mit dem Fuß in einer Ranke verfangen. Das Feuer knisterte. Sie erzählten sich noch ein paar Geschichten.

Nach fünf Minuten sagte Opal, Sam soll Tori suchen.

Die Jungs taten das mit der Bemerkung ab, Mädchen brauchten immer ewig zum Pinkeln, und rissen dann Witze darüber, was die immer so lange trieben.

Nach zehn Minuten riefen sie nach Tori, bekamen aber keine Antwort. Die Jungs behaupteten, Tori versuche, ihnen einen Schrecken einzujagen